Ein bisschen Milch

von poscoleri

Es war einmal ein Jüngling, rast- und planlos und voller Durst. Es dürstete ihn nach Milch vor allem anderen, der Gusto war groß in ihm. Er verfügte jedoch weder über Gold noch Aktien noch sonst irgendetwas, was auf dem Marktplatz gegen Milch zu tauschen ward. So wendete er seine Stirn zum Fernsehapparat, in dem gerade die Börsennachricht Verkündung fand. Und er flehte mit bebender Stimme zum allmächtigen Lauftext: „Oh allmächtiger Lauftext, wenn du mir nur einen Liter Milch am Tage schenkest, ich will dich loben und preisen und dein treuester Diener bleiben bis in alle Ewigkeit, und mein Tag soll sich richten nach der Öffnung und Schließung der Londoner und Frankfurter und Tokioter und der New Yorker Börse!“ Da klingelte es an der Tür und der Jüngling öffnete sie, und vor der Tür stand im Gang eine gar wunderschöne Kuh, die Euter prall gefüllt. Und der Jüngling tanzte und frohlockte, denn der Lauftext hatte sein Flehen erhöhrt.

Und so schlachtete er die Kuh und trennte das Fleisch von den Knochen und verkaufte sie zu einem passablen Preis an die Metzgerin und kaufte sich Milch für einen ganzen Monat, welche bald verdarb, aber den Lauftext preist er noch heute.

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