Der Heimwerkermoment

von poscoleri

Sein Klarstellungsbedürfnis war Quell endloser Selbstzerfleischungen, wie ein Mähdrescher fuhr er über seine uneindeutigen Satzwiesen. Keinen Gedanken, keinen Nachsatz, keine Richtigstellung konnte er in seinem Kopf unausgesprochen lassen.

Wenn er dann die vierte Erklärung einer Erklärung erklärt hatte und der Klarheit keinen Schritt näher war, fühlte er sich wie ein hemdsärmeliger Heimwerker, der Besuchern jede von ihnen in seinem kleinen, gepflegten Gärtchen noch so richtig erkannte Pflanze und jede Wolkenformation über ihren Köpfen noch einmal benennen oder zumindest durch die prompte Bestätigung ihrer Einschätzung seiner Weltgewandtheit Ausdruck verleihen musste. Ein Heimwerker, der stets für alle Tätigkeiten die exakte Apparatur oder das passende Gerät oder den nötigen Handgriff parat hatte. Ein Heimwerker, der jeglicher Interpretation den Spielraum nahm mit eiliger Einengung, als wäre auf diesem Wege Eindeutigkeit zu erringen. Ein Heimwerker, der keinen Zweifel zuließ durch die alles durchdringende Vernünftigkeit seiner Handlungen, dessen Hemd immer im richtigen Maß aufgestreckt war und dessen Hände immer auf die allerrichtigste Weise gewaschen wurden. Ein Heimwerker, der sich seine Präsenz mit Sätzen wie „Ja, das ist ein Haus.“ oder „Hunde brauchen Auslauf.“ bestätigte, weil er mit sich selbst und den anderen nichts anzufangen wusste. Ein Heimwerker, stets lösungsorientiert und unproblematisierend, nie vorhanden und doch immer da.

Nachdem er diesen Gedanken ausgesprochen, nein, herausgeschrien hatte, fühlte er sich gleich ein bisschen weniger heimwerkerisch und schlief beruhigt ein.

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