Über das Pokern mit einem Lachs

von poscoleri

Ich glaube, das größte Problem beim Pokern mit einem Lachs wäre der Auftrieb. Man müsste alles gut befestigen & beim Kauf der Pokerutensilien nach ihrer Dichte fragen. Wenn man das Befestigen nicht neben dem Lachs durchführen wollen würde, bräuchte man wohl ein zweites Aquarium oder eine Wanne. Man bräuchte wohl auch wen, der das Aquarium zudeckelt, um den sprunghaften Gefährten nicht in die verhängnisvolle Freiheit zu entlassen. Keinesfalls wollte man so ein Unternehmen in niedrigen Neubauten durchführen, wo man sich beim Betreten des Aquariums den Kopf anschlüge. Sollte der Lachs ein Seelachs sein, müsste man Salz in solchen Mengen kaufen, dass man im Supermarkt schief angeschaut werden würde. Ob das noch als „Haushaltsmenge“ durchginge, müsste man wohl mit supermärktischen Fachkräften diskutieren, das weiß ich nicht. Aber so ist es nun mal bei derlei Wagnissen, bei denen man ohne bekannte Erfahrungswerte die Grenzen der menschlichen Erkenntnis verschiebt. Anderseits könnte man freilich auch nacheinander in mehrere Supermärkte gehen oder Salz von Steinen lecken und es dann von der Zunge schaben. Damit wäre die Peinlichkeit vermieden und niemand käme auf seltsame Gedanken, was ja gerade in ländlichen Regionen unangenehm werden kann. Vielleicht dächten ja solche Landbewohner, man plante was Satanistisches, wenn man beim LIDL 70 Kilo Salz kaufte. Dann erzählen die das der Tante Elma, die mal eine Hexe gesehen hat, und schon weiß es der Dorfpfarrer, was meistens ja das Ende ist. Aber das muss ich euch nicht erzählen, ihr kommt ja alle aus kleineren Orten, in denen gemütliche Abende mit Lachsen ungern gesehen sind.

Gute Planung ist alles, hat schon mein Firmpfarrer gesagt. Er bezog das auf den Raub unserer in den Autos liegenden Wertsachen, aber egal. Ein falscher Handgriff und ihr habt den Lachs auf dem Gewissen, das muss euch klar sein. Wie man das Fernweh des Lachses bekämpft, bleibt unklar. Vielleicht mit Naturfilmen oder einem Bären, der im Zirkus Vegetarier wurde. Wenn dann ein Bär mit einem Lachs Tatze in Flosse in einem Aquarium säße, könnte man fast Martin Luther King bemühen. *googelt ‚Sauerstoffmaske Bären‘ & rechnet die Kosten noch einmal durch* Wenn ich’s mir aussuchen könnte, würde ich einen Bär nehmen der den Roundhouse-Kick beherrscht, aber der Vegetarismus geht da vor. So einen lebenden Lachs könnte man wohl auch einfacher besorgen, wenn ein Bär ihn abholt, ist ja viel unverdächtiger. Man müsste dem Bären einen dichten Rucksack voll Wasser umhängen und das Lachsverkaufspersonal anweisen, den Lachs darin zu deponieren. Der Bär an sich ist ja eigentlich recht ungeschickt, was das Transportieren lebender Lachse betrifft. Ein Zirkusbär freilich, und da wird’s tricky, könnte ja vielleicht sogar mit dem Lachswassertransportrucksack jonglieren. Davon muss man ihn unbedingt abhalten und ihn diesbezüglich mit allem nötigen Nachdruck instruieren. Vielleicht dreht man ein schockierendes Video von geplatzten Behältnissen auf Wiener Gehsteigen, die Bärenkrallen nachgegeben haben. Ihr wisst schon, wie diese Videos für rechtsbrüchige Autofahrer nach der wiederholten Verwarnung. Vielleicht lässt man sich dazu absichtlich den Führerschein abnehmen, um beim Betrachten solcher Videos Inspiration zu sammeln. Ich weiß nicht, zum Beispiel indem man laut vor einer Polizeistation hupt oder betrunken in einer Polizeistation vom Autofahren berichtet. Man will ja niemanden gefährden beim Führerscheinentzug, außer euch ist alles egal, dann könnt ihr das auch machen. Aber wenn ihr dann draufgeht, ist euer Projekt natürlich gelaufen. Für diesen Fall solltet ihr dem Bären ein Memo hinterlassen. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wolltet, solltet ihr eurer Tür auch eine Bärenklappe verpassen, was wohl in den meisten Fällen der vollständigen Entfernung der Tür entspricht. Dazu müsst ihr freilich in einer guten Nachbarschaft wohnen, in der man Zeitungen urlaubender Nachbarn entfernt und nicht gleich was stibitzt. Die beste Diebstahlsversicherung ist da ein grimmig dreinschauender Bär, der Gelegenheitsdieben das Gefühl vermittelt, beobachtet zu werden. Glücklicherweise habt ihr da schon einen Bären, wenn ihr bis hierher keinen Blödsinn gemacht habt. Wenn der Zirkusbär außer dem bereits bekannten Vegetarismus auch sonst moralisch verweichlicht ist, setzt ihn auf Winnie-Pooh-Entzug. So garantiert ihr, dass er richtig böse dreinschaut. Wenn der Bär jetzt also den Lachs wohlbehütet durch die Stadt transportiert hat (Öffi-Ticket mitgeben!) könnt ihr euch Ernsterem widmen. Der Lachs sollte sich leicht ins Aquarium befördern lassen, außer ihr habt fettige Hände, weil ihr aus Nervosität während des Wartens Chips gegessen habt. Deshalb Hände waschen nicht vergessen und rein damit. Nicht in den Lachs, wir wollen ja noch pokern.

Mit dem Bären wird es schon schwieriger, ihr bräuchtet eine Art von Rampe, einen Hebel oder ein Katapult, um ihn hereinzubekommen. Gut, dass wir das von Anfang an gut durchgedacht haben, jetzt rentieren sich die hohen Decken eurer Altbauwohnung. Falls ihr dazu eine Wohnung anmieten müsst, weil ihr gewöhnlicherweise in einem Neubau wohnt, erzählt dem Vermieter nichts davon. Wer weiß, was für Vorstellungen der sich sonst von euch macht. Sagt lieber, ihr wärt Frühpensionsten, die stets total leise dahinleben. Um das Aquarium schnell zu befüllen, hängt ihr im Haus Zettel auf, dass die Wasserleitung ein paar Tage abgedreht würde und zapft es ab. Die Zettel müssen glaubwürdig aussehen, aber nicht als ob sich jemand Mühe gegeben hätte, alles soll ja nach Installateuren klingen. In so einem Altbau ist ständig etwas mit den Leitungen, niemand wird Verdacht schöpfen, und wenn doch, sperrt ihr die in den Keller. Wenn es ein sehr altes Haus ist, hat es vielleicht einen dieser Keller, die sich als Weinkeller eignen, das wäre ideal. Dort hört die neugierigen Nachbarn niemand, in so einen Keller geht ja nur zu allen heiligen Zeiten jemand. Das solltet ihr natürlich nicht im Frühling machen, wo Fahrräder aus dem Keller geholt werden, oder im Winter, wo dasselbe mit Ski passiert.

Ihr habt den Bären jetzt also auf das Katapult gebracht und die Flugbahn berechnet. Wiegt den Bären mehrmals ab, auf einer Autowaage. Er wird natürlich eine ziemliche Arschbombe ins Aquarium setzen, weil Bären selten katapuliert werden, damit müsst ihr rechnen. Wobei Katapultierkenntnisse mit dem Vorbesitzer oder dem Bären selbst (Zeichensprache! Universal!) zu klären wären. Holt euch vielleicht Hilfe von einem Fußballer. Die Sprache des Fußballs ist ja universell, wie man oft zu hören bekommt. Er könnte ja andeuten, einen Ball in hohem Bogen zu schießen, wie eine Flanke, und dem Bär deuten, dass er selbst der Ball ist. Dazu müsste er das Bein angemessen nach hinten ausschwenken lassen, aber das fragt ihr besser den Fußballer oder die Fußballerin selbst. Dann muss dem Bär bedeutet werden, dass man ihm keinen Tritt verpasst. Schmückt hierzu eure Tierliebe mit Fotos von euch mit Tieren aus. Umarmungsbewegungen oder tatsächliche Umarmungen könnten dem Bären ebenfalls das nötige Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Dann rein mit dem Bären ins Aquarium, nachdem ihr ihm die Sauerstoffmaske aufgesetzt habt.

Wenn der Bär dann neben dem Lachs am Pokertisch im Aquarium sitzt, fehlt nur noch ihr. Eine Leiter wäre wohl hilfreich. Ihr könnt auch mit eurem Assistenten eine Räuberleiter machen, aber schneidet euch nicht am Glas. Wenn ihr drin seid, vergewissert Bär und Lachs davon, dass ihr ein unmanipuliertes, standardisiertes Deck Poker-Karten benutzt. Dann gilt es die Einsätze zu bestimmen. Nehmt hierbei auf die ökonomische Lage der beiden Rücksicht, niemand mag Protze. Wie man Karten mischt, muss ich euch hoffentlich nicht erklären, sonst war alles umsonst. Insgesamt wird es bestimmt ein denkwürdiger Abend, von dem ihr immer erzählen könnt, wenn eure langweiligen Freunde langweilig sind. Wenn ihr dem Bären eine Armbanduhr geschenkt habt (oder dem Lachs, googelt dazu „Uhren Flossen“) könnt ihr ihn nach der Uhrzeit fragen.

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