Tausend Städte kannst du sehen, aber diese musst du riechen

von poscoleri

Letztens hat es in dieser Stadt, die eigentlich immer stinkt und dazwischen einfach nur manchmal für lange Zeit nicht stinkt, ganz außerordentlich gestunken. Die Suche nach diesem Gestank hat mich nach draußen getrieben, weil man den Geruch nur lesen kann, wenn man die Menschen sehen kann und sie riechen. Man muss sehen, wie sie sich bewegen und ihre Nasenflügel vibrieren und ihre Haut sich unmerklich faltet unter dem Leben in der Stadt, das aus so viel mehr besteht als nur dieser ständigen Ahnung von Beton und Schweiß. Der Wind hat an diesem Tag alle Kraft aufgewendet, die Luft durch die Stadt zu treiben, aber den Gestank fortgekriegt hat er nicht. Unten, dort wo es erfahrungsgemäß immer am Allerklarsten stinkt, hab ich ihn schließlich dann gefunden. Der Gestank hat unerschrocken eine Geschichte von einer verbrannten Ente erzählt, die ausschließlich mit Bratfett und geplatzten Träumen gefüttert wurde. Es ist der perfekte Gestank gewesen für diese Stadt, die immer irgendwas verbrennen muss und sich eigentlich nur zum Essen erhebt. Wo die Enten Straßenbahn fahren und die Blumen täglich neu gepflanzt werden.

Draußen, in der Stadt, hab ich mich durch meine Nase gesehen.

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