Achillessehne

von poscoleri

Wenn er sich müde, aber schlaflos im Bett von leicht linksseitiger Bauchlage über den Rücken in rechtsseitige Bauchlage rollte, wuchs vor seinen Augen an der weißen Wand eine Ellipse von Nagelkopfgröße stetig an, bis sie sein Blickfeld beinahe komplett ausfüllte. Schwarz und an den Rändern spröde pulsierte sie in keinem bestimmbaren Takt, paradox wie es nur Träume sein können.

„In beiden Fällen handelt es sich um Ramsch-Niveau.“

Er fand keine Worte für diese Szenerie und doch waren sie vorhanden, wie sie es immer sind. Durchdrungen von dem Bedürfnis, diese Krise zu erklären, drehte er sich zweimal um seine Längsachse und erhob sich mit der Vehemenz eines Feuerwehrmanns.

Vor seinem Bett stehend rotierte er seine Arme gegengleich um seine Querachse und dachte an Zypern. Als das Blut in seiner Fingerspitzen kribbelte und Fragen über die Goldschätze der Deutschen Bundesbank durch seinen Kopf tanzten, streckte er die Fingerspitzen in die Richtung seiner Zehen und erreichte kaum seine Knöchel.

„Die wildesten Verschwörungstheorien kursierten.“

Er trank einen bitteren, vierten Kaffee und erfreute sich an all den Muskeln, Sehnen und Bändern, die Schmerzen zu bereiten imstande waren. Auf all seine Fragen erlangte er weder in seinem Bett noch in irgendwelchen Wiesen eine abschließende Antwort, und so verfiel er in einen immerwährenden Schlaf, eine Winterstarre aus suchender Stille.

Der arme Dominoeffekt und sein Missbrauch als Machtinstrument.

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