A wie Autonomie – Lexikon der faulen Verlockungen

von poscoleri

Nichts Schlimmeres als Eigen- oder Selbstständigkeit, gerade im Angesicht der Herausforderung. So verlockend, sich selbst Königin & König zu sein, und doch, so blöd. Stets Bedingungen & Regeln selbst zu bestimmen, Wege selbst zu zeichnen und Wege selbst zu gehen. Sich selbst die Illusion von Selbstbestimmtheit zu erhalten, zu glauben, sich selbst zu verwalten. Immer Verantwortung zu übernehmen und Schuld zu tragen. Als wäre die Autonomie Indiz für irgendwas, als erzählte sie uns von irgendwelchen Qualitäten, als wäre sie Merkmal für auch nur irgendwas. Sie macht gar nichts besser, sie macht uns nicht mal unabhängiger, sie macht uns nur abhängig von uns selbst. Sie ist nichts, was man vor sich hertragen könnte wie eine Errungenschaft, sie ist nur ein Brett vor unserem Kopf mit vielen Löchern. Sie mag uns stärken und ermächtigen, und doch, wie alles, ist sie von einer Ambivalenz durchzogen, die meine Worte nicht beschreiben mögen.

Nein, autonom will ich nicht sein.

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