Momente. Sekunden in Worten

von poscoleri

I:

Wenn alle, die in Glashäusern sitzen, nicht mit Steinen werfen, bleiben ja alle Steine auf den anderen, so verändert sich nie was. Vielleicht sind des Sünders Anklagen Strategie, doch nicht weniger kann der Entzug des Anklagerechts ob der Sünden eine sein. Ich weiß es nicht, ich hab wirklich keine Ahnung, vermutlich gibt es einfach keinen Weg, zu tun was man sagt. Und trotzdem, es gibt nicht Schlimmeres als Realismus, ich sah wenig traurigeres als situativ adäquat handelnde Menschen und wenig hat mich mehr gefreut als ein Kinderlachen, so hilflos und irreal, fern von allen Notwendigkeiten, unmittelbar und klar. Lieber einmal täglich im Moment der Schwäche lachen als nur eine Sekunde Pragmatismus. Wahrhaft fürchten und nicht die Furcht höchstselbst, klein und übermäßig ängstlich sein, Ziele aus Unmöglichkeit nicht erreichen und durch Unmöglichkeiten streifen.

 
II:

Es ist wohl eher keine Neuigkeit, sondern persönlichkeitskonstituierend, dass ich mit der Welt und dem Leben nicht zurechtkomme. Viel mehr aber tangiert und erschüttert mich, dass ich mit mir selbst überfordert bin, und das auch noch ohne mich zu überfordern. Ich fühle mich, als gingen meine Beine zwei Meter vor mir durch eine menschenvolle Einkaufsstraße, noch mit dem Rumpf verbunden, doch nicht verknüpft. Die Wege sind nicht meine, und auch nicht die Ziele. Es ist ein Gefühl von Hilflosigkeit, Schwäche und Verrat. So wollte ich nie werden, sowas wollte ich mir nicht wünschen, aber gerade jetzt wär ich gerne stark. Ich wär gerne stärker als ich, um mich selbst zu besiegen und einzusperren in mir. Zu lang war ich mir mein eigener Verstärker und Entkräfter. Vermute ich. Ich würde gerne eingehen wie eine nährstofflose Pflanze.

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