Graues Morgenstück, Teil 1

von poscoleri

Halt mich, halt mich nicht, ich falle, ich falle tief aus allen Worten, in ein Jahrhundertloch aus grauen Wolken. Was mir sicher schien scheint nur noch blässlich, unerlässlich. Unauslöschbar die Gedanken, reines Nachvollziehen eines Wankens, das ich anstrebte die ganze traurige Zeit. Nichts geht mehr und nichts geht weniger, ob ich will oder nicht, dies wird wohl wirklich erst ernsthaft enden, wenn ich meinen Spaß hatte damit davor. Schlechte Witze und schlechte Erklärungen, ein lautes Hintergrundrauschen, alles was ich immer wollte, nicht zu werden. Nicht der Tag und nicht die Nächte bieten mehr als bloße Überwindung, mir fehlt die Kraft, mir fehlen die Kräfte. Hier ist nicht mehr zu erkennen als die Erkenntnis, und sie ist wahrlich glanzvoll, mich verhöhnend statt anlockend. Das ist nichts, was ich ertrage, und ebensowenig das Gegenteil. Nie war ich so ehrlich wie beim andauernden Lügen. Ich spreche mit dem Toast und seine Indeferenz hält nicht mit der meinen mit. Ich werfe mir Eiswürfel durch den Kopf und habe Frostblasen an den Fingern. Die Worte und auch nichts anderes find ich nicht wieder, verbleibe hier als Schwarz-Weiß-Kopie meiner selbst. Wie ein frittiertes Eichhörnchen rieche ich & nehme jeden Raum olfaktorisch binnen Kürzestem. Was du alles weißt über mich, ich weiß es nicht, ich weiß nicht mal wer du bist, aber ich schreibe es auf aus dem Bedürfnis, nicht zu vergessen, und dem Verlangen, irgendwann zurückzublicken und zu bemerken wie dumm (hoffentlich) oder klug (wahrscheinlich) ich einst einmal war. Ich trage keine Stressresistenz in mir und bin nicht geschaffen für eine Welt. Nicht im Heute und nicht im Morgen will ich all dies beherrschen, ich will untergehen in Niederlagen und geistigem Verfall, so sehr mich dies auch ängstigt. Ich seh keine andere Option. Der Sieg und die totale Überwindung ist wahrlich nicht verlockend, mich schmähend und beschimpfend, um mich schlussendlich lieblos in die Arme zu nehmen. Nein, nicht jetzt und auch nicht gestern, will ich mehr als den Moment, in dem ich hilf- wie belanglos vor den Scherben meines Daseins liege und der Mond hat keine Farbe, zumindest nicht die deine. Das wird alles nicht gut enden, aber das heißt ja nicht, dass es nicht enden wird, und das ist mir vielleicht lieber als etwas, was ich beim schlechtesten Willen nicht versteh. Lass die Bagger vorfahren und zeig ihnen den Weg, ich warte hier auf euch im Jahrhundert der Depression. Diese Wort sind schlimmer als plagiiert oder kopiert, sie sind ausgelutscht und neu verwendet, ohne Witz und ohne Sinn. Alles was ich bin, will ich nicht sein, und ich will’s nicht schreiben. Hörst du die U-Bahn, bevor sie einfährt, oder bemerkst du sie, wenn sie vor dir steht? Heute gibt es wieder RAUCH Eistee Zitrone und alles ist gut, und trotzdem wird Gestern für mich immer der Tag bleiben, an dem es keinen Eistee Zitrone gab und der Tag, das Jahrhundert, die Epoche der Depression. Vielleicht hat RAUCH seine Zitronenlieferanten unter Druck gesetzt, indem sie gesagt haben, Lieferant, Baby, wir haben einen ganzen Tag lang überall nur Eistee Pfirsich verkauft und es hat niemanden gekümmert in ganz Österreich außer diesen einen psychotischen, jungen Mann, das ist verkraftbar, it’s Angebot und Nachfrage, stupid, wir brauchen deine Zitronensäure gar nicht so dringend, niemand mag unser Produkt, also verkauf uns dein Pulver zum halben Preis, bitch. Oder alle Eistee-Zitrone-LKW-Fahrer sind gleichzeitig krank geworden und haben sich gesagt, ich bin krank und was geht mich der Umsatz von RAUCH eigentlich an, ich fühle mich nicht verpflichtet durch meinen Dienstvertrag, ich spüre keine Verbindung zu diesem Produkt oder zu RAUCH oder zum armen Michael, der jetzt wohl einen Tag lang Eistee Pfirsich trinken muss und dadurch leider ins Unglück stürzen wird, ich achte lieber auf meine Gesundheit, was soll schon passieren. Oder es war einfach nur ein gigantisches Logistikproblem sämtlicher Handelsketten, weshalb vom Kapitalismus so oder so oder so nichts zu halten ist. Ich kann keinem System vertrauen, dass mich nicht mal durchgängig mit der nötigen Menge an Sedativen aus Zucker und Geschmacksverstärkern versorgen kann, ich will RAUCH, ihr wisst schon, alles andere ist Schall & LIPTON.

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