Neonlicht und vertrauter Zungenschlag

von poscoleri

Immer näheren Orten bin ich gebürtig, selten lichten sich die Wolken noch. Die Abteilsnachbarn üben sich im jugendlichen Ton, die Abteilsmitreisenden diskutieren Honecker. Hoffentlich steigt keine ehemalige Klassenkollegin zu, die sich einen Partner im benachbarten Ausland aufgerissen hat und mit der mich eine so unglückliche wie unangenehme Liebesgeschichte verbindet. Offensichtliche Tatsachen werden zur allgemeinen Belustigung preisgegeben, ich täusche humoristische Unpässlichkeit vor, indem ich Nasenbluten bekomme. Die Wolken wirken bedrohlich, kein Wunder, möchte man sagen, es ist ja das Ausland. Ich bin im ständigen Kampf mit einem Teil von mir, der in Zügen recht gesprächig ist und witzig und klug wirkt. Ständige Selbstbestätigung durch zur Lauterzeugung geöffneten Mund, Vergewisserung der eigenen Existenz. Es ist mittlerweile klar: Es gibt keinen sauberen Ausweg. Der Hirntod hat alle mich umgebenden Plätze reserviert.  ( Spräche er doch nur eine unverständlichere Sprache. ) Die einzige fremdsprachige Mitreisende erzählt von der Prohibition in Zeiten der Erdölkrise in Bulgarien, ergibt keinen Sinn, ist aber auch nur ausgedacht  und die Busse sind gelb. Das Funknetz bricht gleich zusammen, Horst, ein Tunnel, Horst, gleich ist es weg, Horst, der Tunnel, Horst, jetzt ist es weg, Horst, hörst du mich? Schülergruppe, durchzählen, Eins Zwei Drei Vier Fünf Sechs Nudelsieben, Peter haben wir wohl irgendwo vergessen, er wird sich schon irgendwie eine Existenz aufbauen, er ist bauernschlau und hemdsärmlig, wer wenn nicht er, noch nie so einen lebenstüchtigen Achtjährigen gesehen. Rechts ein sehr breiter Fluss oder ein sehr enger See, so genau lässt sich das heutzutage nicht sagen, die Grenzen sind fließend. Meine Haare fallen grandios und ich habe wieder die Grenzen der K.&K.-Monarchie nicht überschritten.

Immerhin.

 

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