Kein Plan? Kein Traum.

von poscoleri

Vor ein paar Wochen, im Hörsaal: Der Professor verspätet sich eklatant, kündigt eine Erklärung an. Gegen Ende der Vorlesungseinheit klärt er uns auf. Er ist in einem außeruniversitären Institut engagiert, gerade wurde dessen (vermutliches) Todesurteil aus budgetgeformten MinisterInnenmündern bekanntgegeben. Das Thema passt außerordentlich gut ins Konzept, wir sind nicht nur Studenten, sondern auch gerade mit der Aufarbeitung thatcheresker Politik beschäftigt. Als erfahrener Ministerialbeamter schildert er uns sein Erstaunen über die rücksichtslosen Einsparungen, die selbst ohne Achtung eigener Parteifreunde stattfinden.

„Wie seht Ihr die Situation? Welche Beweggründe seht ihr für diese Maßnahmen?“


Ich werde fast rot vor Scham als ich die Erklärungversuche meiner MitstudentInnen höre. (Meine Antwort war nämlich schrecklich artikuliert und lautete in etwa „Ein blinder Kahlschlag. Die Verantwortlichen haben keinen Plan.“) Andere Antworten sind präzise Ausführungen ÖVP-interner Disziplinierungsexempel, philosophische Abhandlungen neoliberaler Elitenbildung, schlicht kein Vergleich.

 
In meinem Kopf wäge ich nur noch ab, ob ich einer unehrenhaften Entlassung aus dem Studium durch freiwillige Exmatrikulation zuvorkommen sollte.

 
„Man sollte politischem Handeln nicht zwanghaft einen Sinn aufdrängen. Manches geschieht ohne größeren Plan. Schönes Wochenende“


Studentenfäuste klopfen durcheinander. Glück gehabt.

 

Österreich ist das Land, in dem man meistens keinen Plan finden wird.

Edit: Österreich ist das Land, in dem man meistens keine Träume zulässt.

 

Nicht mit mir.

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