Wieso das Urheberrecht obsolet geworden ist – Eine Utopie

von poscoleri

Dieser Artikel ist auf  Der Blogger erschienen

Eine kurze, der Utopie vorangestellte Polemik

Niemand wird gezwungen, sein Werk zu veröffentlichen. Dem_Der Künstler_in, der_die es in seinem_ihrem Eigentum behalten möchte, steht frei, es der Gesellschaft vorzuenthalten. Mit der Veröffentlichung wird die Verwaltungshoheit zur bloßen Autor_innenenschaft, das Werk wandert in den Besitz der Allgemeinheit über, der es präsentiert wurde.

Das Urheberrecht hat sich erübrigt. Nicht die oft ins Spiel gebrachte Konsumwut mit gekoppelter (angeblich) niedriger Bezahlmoral hat dieses Modell an seine Grenzen gebracht, sondern die modernen technologischen Gegebenheiten. So wie wie Audio- und VHS-Kassetten vor Jahrzehnten ein Umdenken einforderten (und nur bedingt bewirkten) fordern neueste technische Errungenschaften ihren Tribut von modernen Kunstschaffenden. Die abgeschlossene Ausstattung mit Breitbandanschlüssen ist nur das letzte Puzzleteil, das ein Bild vollendet, auf dem die Musikindustrie des 20. Jahrhunderts anachronistischer nicht dargestellt werden könnte. Das greifbare Album ist so wenig zeitgemäß wie große Plattenfirmen mit ihren Werbeapparaten notwendig sind, um in den Mittelpunkt der öffentlichen Interesse zu gelangen. Das moderne Augenmerk liegt auf Streaming-Diensten wie Spotify oder lala. Sie bieten schlicht und einfach: Alles und das jederzeit. Gemolken werden hier gutverdienende Audiophile, die weder auf allumfassende Auswahl noch High Fidelity verzichten können und wollen. Der_Die Normalverbraucher_in bezahlt nichts, er_sie hat bereits mit der Einkommenssteuer eine Kulturpauschale entrichtet, die in normierten Beträgen an die Künstler_innen ausgezahlt wird, gemessen an der staatlich überprüften Reichweite. Künstler_innen münzen ihre Popularität durch Konzerte in Bares um, die Ticketpreise sind durch die Kulturpauschale gestützt. Die Digitale Kunst erlebt ihren Durchbruch, da Copyright-Streitigkeiten durch die gesetzliche Festschreibung von Creative-Commons-Lizenzen zum allergrößten Teil beigelegt werden konnten. Der_Die Künstler_in wird im Netz zum_r Produzenten_in, Zwischenhändler_in und Endvermarkter_in.

Eine Utopie ist erträumtes Wunschkonzept und nicht weniger als das können wir zu unserem Ziel machen. Frei im Herzen und beengt im Geiste erträumen wir was uns als Albtraum präsentiert wurde. Der Traum kann keine Utopie sein, unzureichend geträumt lässt er den Tagträumer hilflos zurück. Doch ist er Antithese, hohen Hauptes schwankend in ein besseres Morgen.

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