Teil III der Serie „Was ist Kunst?“ – Von O. Pryde

von poscoleri

Kunst kommt von Entartung

After thee accumulation of too much history we have lost our innocence, we cannot easily believe in any explanations. We describe rather than feel, we touch rather than explore, we lust rather than adore.“ – Genesis P-Orridge, Thee Reversal of Fate

Die Fragestellung für diesen Beitrag war „Was ist Kunst?“, da ich aber weder die Qualifikation habe, darüber zu urteilen, noch zu jenen pseudointellektuellen Schwätzern gehöre, die sich stundenlang selbst beim reden zuhören können, werde ich diese Frage hier einfach nicht zu beantworten suchen, sondern lediglich einen kurzen Denkanstoß an alle schreiben, die der Meinung sind, Kunst ist ein theoretisch fassbares Thema. Meines Erachtens nach hat Kunst die Aufgabe unangenehm zu sein. Mich interessieren keine fotorealistischen Landschaftsimpressionen, keine unerhört perfekte geometrischen Raster aus Punkten. Picasso ist Kunst. Goya ist Kunst. COUM Transmissions ist Kunst. monochrom ist Kunst.

Als sich die Situationistische Internationale gründete entwickelte sich daraus eine wichtige gesellschaftspolitische Konstante, ohne die eine 68er-Bewegung so vermutlich nie entstanden wäre.

Die kapitalisierte Zeit stand still. Ohne Zug, ohne Metro, ohne Auto, ohne Arbeit holten die Streikenden die Zeit nach, die sie auf so triste Weise in den Fabriken, auf den Straßen, vor dem Fernseher verloren hatten. Man bummelte herum, man träumte, man lernte zu leben.“ – René Viénet, Mai 1968

Eine Revolution, ein Aufstand ohne seine Ästheten ist zum Scheitern verurteilt. Das wussten selbst die Nationalsozialisten; SA-Aufmärsche choreographiert wie Massenmusicals – jeder Schritt ein Gleichschritt, jedes Fahnenwehen im Trommelschlagrythmus. Sie verstanden es auch, den Krieg zu ästhetisieren: Ruinen als Denkmäler, brennende Städte als multimediale Installationen, das Sterben als Performance. Selbst als der Untergang unabwendbar und nicht mehr zu leugnen war – The Show must go on und man tanzte, trank und fickte sich als mittelalterliche Teufelsdarstellung zum Stillleben des Galgens.

Wenig später riefen die Maoisten die Kulturrevolution aus und bereitwillig zogen Millionen junger Chinesen in ihr Land aus, um mehrere tausend Jahre Kunst und Kultur auszulöschen, bis sie begannen, sich gegenseitig zu zerstören. Selbst aus Hong Kong wurde Nieder mit den Imperialisten-Stadt, ungeachtet dessen, dass es nicht einmal zu China Mainland gehörte. Kunst ist wie ein suizidaler Phönix, denn wenn Kunst nicht neu entsteht, dann wird es zu einem Museum. Museen sind die Grabmale der Kunst; wie Mumien hängen Bilder an den Wänden, ausgestellt hinter Panzerglas, bewacht von desinteressierten Friedhofsgärtnern, begafft von Menschen, die nicht einmal in der Lage sind, die Schönheit eines Blutstropfen zu erkennen. Der Künstler hat die Pflicht das Mainstream-Kunstverständnis der Masse zu demontieren und darf dabei keine Rücksicht auf Religion, Geschlecht oder soziale Stellung nehmen. Es ist auch Zwecklos über Kunst zu diskutieren, über sie zu schreiben – man muss Kunst erleben, man muss Kunst machen.

Sei eine Zelle.

Ein Gastbeitrag von O. Pryde

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