Serie: “Was ist Kunst?” – Eine Eröffnung von @Der_Ich_

von poscoleri

Was Kunst ist, weiß ich nicht. Dennoch schreibe ich darüber. Vielleicht ist es genau das.

Vor 12.000 Jahren und davor war der Mensch größtenteils mit zwei Dingen beschäftigt: Essen und Rennen; das Eine bedingte das Andere. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Mensch damals weder Zeit noch Muße genug hatte, Anderes als potenzielle Geschlechtspartner schön oder hässlich oder grundsätzlich zu finden. Irgendwann um den bereits erwähnten Dreh herum, begann der Mensch faul zu werden, Felder zu beackern und weniger zu rennen. Essen dagegen betrieb er weiterhin exzessiv (bis heute hat er diese Tendenz nahezu perfektioniert, mit teilweise entsprechend weitreichenden Folgen) und da er diese Exzesse nicht aufgeben wollte, begann er zu denken. Und das intensiv. Am Ende hatte er wiederum mehr Zeit und verschwendete einen größer werdenden Teil davon mit Hirnwichsereien wie dieser hier.

Eigentlich wollte ich damit nur sagen, dass für Johanna (und ich werde im weiteren Verlauf des Textes den Begriff „Kunst“ durch wechselnde weibliche Vornamen ersetzen, um nicht allzu offensichtlich redundant zu erscheinen) wenigstens zwei Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Zeit und Hirn. Dass dies mit meiner Prämisse nicht hundertprozentig kongruent ist, möge man mir bitte verzeihen. Indes werde ich mich winden in der Aussage, diese Äußerungen seien bar jedes Wissens und überfüllt mit Annahmen, deren Niederschrift einzig den Zweck verfolgt, die Prämisse nicht einsam dahinvegetieren zu lassen.

[Kurz war der Autor geneigt, die Fragestellung („Was ist Kunst?“) mit einem knallenden „DAS!“ zu beantworten um die Metaebene aber sowas von für den eigenen Profilierungswahn zu missbrauchen, bis er für sich selbst erkannte, dass doch jede Ausführung zur erwähnten oder einer ähnlichen Fragestellung einen Autoren im Profilierungswahn durchaus zu befriedigen weiß.]

In der Stochastik nähert man sich den Lösungen zu komplexen Fragestellungen gerne über die Beantwortung der Frage mit negativem Vorzeichen. Wem es nützt sei das Herangehen auf diese Weise freigestellt. Wem es nützt. Auch ich bin hier hingebungsvolles Opfer eines Relativismus, der denen mit Absolutheitsanspruch ein Dorn im Glasauge ist. Was Jaqueline nämlich letztendlich ist, liegt am Kognitionsvermögen des Einzelnen, weswegen wir nun an der von Profilierungswütigen geliebten Stelle angekommen sind, an der diese schreien: „Die Frage ist beschissen!“ Dies sei hiermit getan. Für mich jedenfalls kann Josephine nicht sein, was sein muss oder zwangsläufig wird, sondern entsteht erst in der (vielleicht als aleatorisch intendierten) Bearbeitung durch den Autoren, selbst wenn dieser jegliche Autorenschaft von sich zu weisen beliebt, und in der Rezeption durch den Einzelnen. Jana ist, wenn der Autor agiert. Julia ist, wenn man Zeit hat, dabei zu essen. Joyce ist, wenn der Rezipient denkt „Oh“. Ich hätte vorausstellen sollen, dass ich nicht exakt versuchen werde, zu beantworten, was Jana ist, sondern viel mehr (und auch das nur halbherzig), was sie sein kann, was mich andererseits natürlich um die Pointe der Fragestellerbeschimpfung gebracht hätte – auf diesen Kunstgriff verzichten können zu wollen allerdings, war mir nicht gegeben.

Was Kunst ist, weiß ich nicht. Bestenfalls jedoch das Gute, Schöne, Wahre.

Ein Gastbeitrag von
@Der_Ich_

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