Poscoleri

Die Konstrukte sind meine, der Künstler bin ich.

Das HOUSE OF CARDS in unseren Köpfen

Wie ein Manifest der globalen Inkompetenz hat sich HOUSE OF CARDS in unsere Köpfe geschlichen um uns zu eröffnen, was wir schon lange ahnten: Die Verlierer werden immer verlieren & gewinnen werden die noch größeren Verlierer. Der allergrößte Verlierer ist dementsprechend am Ende der allergrößte Gewinner, Francis J. Underwood, die Todgeweihten grüßen dich, du LOSER IN CHIEF. Ein Mann von dieser Dummheit kann nur grandios scheitern, weshalb er das auch bis zum Schluss & ganz nach oben durchzieht, so strategisch blind war schon lange nichts mehr. Wer sich das Gegenüber stets in die schwächstmögliche Position imaginiert, muss sich von der Realität wohl immerzu überraschen lassen. Dumm sind die Anderen zwar auch reichlich, aber begrenzt ambitioniert sind die dann doch ebenso. Was sie nicht sind, & das ist wiederholt & wiederholt –  schlafen seine Gegenspieler zwischen ihren Auftritten? – dann Francis Ass, ist komplett rücksichtslos ob der eigenen Verluste. Francis verliert solange, bis es schließlich nichts mehr zu verlieren gibt & er gewonnen hat. Es ist bei ihm der Erfolg eher eine Frage der Wahrscheinlichkeitsrechnung, es werden die Würfel gerollt bis sie richtig gerollt sind. HOUSE OF CARDS will uns wohl erzählen, dass diese schier unendliche Leidensfähigkeit den Francis herausstechen lässt aus dieser Masse der bis zur Versenkung pragmatischen Fritzen. Alles würden die tun für ihr eigenes Wohl, & Francis mehr als alles, das soll in uns recht diabolisch erscheinen lassen. Die zwei, drei, nein, zwei Leute mit etwas in der Nähe einer Einstellung wirken darob ärgstens deplatziert & sind sowohl die schwächsten Gegner & wie im Vorbeigehen ausgehebelt, als auch in ihrem recht sanften Idealismus das billige Feindbild dieses Extremismus der Mitte. Der Rest hat keine Ideen & noch weniger Pläne, das letzte Bisschen davon hat sich folgerichtig die Privatwirtschaft geschnappt, obwohl privat hier vor allem die Beziehungen betrifft. Weil Francis sich auch im Privaten skrupellos, aber wie immer dumm nach oben verliert – wir ahnen, er kann der Verlockung nicht widerstehen, von Zeit zu Zeit in hilfloser Wut die Einrichtung vermöbeln zu müssen, & lässt sich deshalb ständig auf Uphill Battles ein, wo gar kein Battle vonnöten ist – ist dieses Francis-Leben aufregend & ereignisreich, aber auch immer einer Notwendigkeit hinterhertrauernd & sich in Zwangslagen bringend, nur für die kleinen Kick im öden Leben. Wenn uns dieser FRANCIS eines erzählen möchte, dann dass so ein Leben überkomplex scheint & kaum zu entwirren, dass wir es uns ruhig schwerer machen können als es sein müsste, weil wir so oder so verlieren, dass am Ende gewinnt, wer sich das unaufhörliche Verlieren leisten kann, & dass schließlich die Niederlage nicht zu unserem Verlust werden sollte. Ein kleiner Sieg der Blödheit gegen die Komplexität.

Herz & Fließbandseele

BOB DYLAN, Erfinder des Automobils, Amerikas & des kreatürlichen Werbesports & hauptberuflich legendärer italienischer Autohändler, sagte kürzlich in seinem MANIFEST DER GLOBALISIERUNG, Es gibt ein Ding, das du nicht importieren kannst: AMERICAN PRIDE, das neueste Modell von FIAT & das hässlichste seit dem MULTIPLA. Aber das wird bestimmt ein Freihandelsabkommen regeln, da mach ich mir keine Sorgen, schlussendlich bleibt die Blödheit in ihrer Globalität ja nie alleine. Gesagt werden soll noch, dass die Dylan’sche Isolationsquadratur des Globalisierungskreises andernorts eine recht hübsche Staatstheorie abgibt, denn WE will build YOUR CAR. So schön & so blöd waren weder Dylan noch Fahrzeuge seit Langem, und ich sage es nochmal, Der Schwachsinn ist der Luxus der Reichen. Er ist alt & braucht das Geld nicht, & dann verkauft er schöne blöde Autos & erklärt denen, die die Autos brauchen, sie könnten sich aussuchen, wo ihre technischen Apparaturen gefertig werden, & dann die SCHWEIZ & ihre Uhren, das ist wieder eine ganz andere Lächerlichkeit. Wir sagen also: Autotheorie & Autopoesie als luftleere geistige Ersatzreifen Bob Dylans am Straßenrand liegengeblieber Autopoiesis.

Interview zwischen Tür & Angel

Der Autor dieser Zeilen: Stimmt es, dass Sie nicht lesen können?

Poscoleri: Es ist wahr, vor allem Hermann Hesse nicht. Lange empfand ich das als Manko, es kam mir vor wie meine Bringschuld gegenüber der Gesellschaft, doch mit der Zeit erschloss sich mir, dass es ja viel mehr als die Bildung – in Form der Belesenheit – die Illusion derselben ist, die in gewissen Kreisen zur Anerkennung von Nöten ist. Und so erfand ich mir eine Welt, wie sie mir gefiel.

DAdZ: In Ihren Büchern werden auffällig oft Köpfe zertrümmert. Was hat es damit auf sich?

P: Es gibt für mich keinen endlicheren Tod als das Zertrümmern eines Kopfes. Er ist mir eine Befreiung des Geistes aus der Umklammerung der Gesellschaft im Intellektuellen.

DAdZ: Woher nehmen Sie Ihre Energie?

P: Ich beziehe meine Kraft aus der Poesie des deutschen Sportfernsehens.

DAdZ: Ist nicht gerade das Sportfernsehen eine Bastion des Provinziellen?

P: Sie müssen hinter die Eigentlichkeit blicken, wo die Schönheit die Banalität transzendiert.

DAdZ: Was kauften Sie von Ihrem ersten selbstverdienten Geld?

P: Eine burgunderrote Lederjacke, die mir passte wie angegossen. Ich war nie cool, nie im allgemeinen Sinn, diese Lederjacke war ein Akt der Kompensation.

DAdZ: Was ist Coolness?

P: Sie ist die Gesellschaft in den Köpfen. Ein Spiegel, in dem wir uns selbst nicht sehen. Banal gesprochen ist sie nur ein Instrument der Coolness-Industrie.

DAdZ: Ihre Bücher gehören zur Grundausstattung des Hipsters zwischen Gozo & Spitzbergen. Gehören Sie nicht selbst zu dieser Coolness-Industrie? Sind Sie das Instrument oder der Benutzer?

P: Wir müssen uns von dieser Vorstellung einer Manipulation verabschieden, die uns „Die“ antun. Wir sind die Manipulateure ebenso wie die Manipulierten. Wir verkaufen schlussendlich uns, und zwar an uns selbst. „Die“ gibt es nicht mehr, wir sind wir.

DAdZ: Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

P: Die Dummen werden immer die Dummen bleiben, außer es passiert noch etwas Unvorhergesehenes.

Fugenrhythmustag

Jemand, der die Fugen nicht kennt, müsste ja glauben, es gäbe Fugen ohne Glauben, doch es gibt keine Fugen ohne Glauben, das musst du mir schon glauben, irgendwas muss die Fugen ja füllen, und so wäre der Jemand stark im Irrtum, was du ihm nicht ankreiden kannst, denn wer keine Fugen kennt, kann die Fugen ja nicht glauben.

Jemand, der die Sätze nicht kennt, müsste ja glauben, es gäbe Sätze ohne Rhythmus, doch es gibt keine Sätze ohne Rhythmus, das musst du schon hören, irgendwas muss die Sätze ja tragen, und der Rhythmus trägt die Sätze, denn der Rhythmus kennt die Sätze, irgendwer muss die Sätze ja kennen, und der Rhythmus ist die Kennung der Sätze, und das kann der Jemand ja nicht wissen, weil er ja gar nicht weiß, dass ich schon längst singe, wenn er noch gar nicht rot ist.

Und ich sage, das hier ist ein guter Tag.

Die Merkel-Drohne

Die Merkel-Drohne: Fliegt nicht, kann nicht fliegen, will nicht fliegen, denkt an, die Option des Fliegen-Könnens am Rande der Diskussion anzusprechen. Mit unbefristeter Flugerlaubnis im deutschen Luftraum, erteilt vom TV-Total-Bundesprüfamt für Zertifikationen für nonargumentative Rundflüge und Konkretisierungsausweichmanöver. In der Grundausstattung eine unbestückte Karosserie, kann die Merkel-Drohne mit der holographischen Darstellung jeder beliebigen Hardware bestückt werden oder dem Gegenteil davon. Macht im Rückwärtsgang laut BIEP BIEP wie straßenverkehrordnungstechnisch vorgeschrieben, fährt allerdings nie zurück, fährt nie, lässt die Welt unter sich durchfahren, fabriziert aber ständig geschäftige Geräusche. Hat immer die sehr vage-konkrete Simulation einer Möglichkeit eines Flugplans am Display, verspricht allerdings, bei Gelegenheit nicht zu fliegen beziehungsweise den Flugplan zu revidieren. Nimmt die Flugrouten anderer Flugobjekte nicht wahr beziehungsweise lobt diese, indem sie diese als die von ihr gewählten darstellt, die sie von Schröder übernommen habe, der sich um den deutschen Luftraum verdient gemacht hätte. Steht im Hangar, bleibt im Hangar, sorgt sich um den Hangar, sagt dem Hangar, dass er sie kenne, erklärt dem Hangar, dass er kein Hangar ist, sondern eine Wurstbude.

Erste blöde Auslassungen über das Spektakel

Sie haben uns gesagt, es wird ein Spektakel, denn es gibt kein Spektakel, wir wissen, dass nichts an Merkel vorbeiführt und wir nicht gegen sie ankommen können, so wie nichts an ARD und ZDF und PRO7 und RTL vorbeiführt. Und genau das soll uns fesseln, denn es könnte zu der riesigsten Überraschung kommen, nichts wäre unerwarteter als diese Überraschung, aber dann kommt es natürlich nicht dazu, was uns beruhigt, denn wir wollen es unaufgeregt. Und Stefan Raab steht neben fünf Menschen, die in der stillen Übereinkunft arbeiten, sich nicht gegenseitig den Teppich unter den Füßen wegzuziehen, und Stefan Raab hat nichts zu verlieren und deshalb reicht es ihm, uns das Gefühl zu geben, wirklich eine Antwort zu erwarten, und schon wirkt er sehr kompetent und lästig. Und dann hat Angela Merkel wieder eineinhalb Stunden gar nichts gesagt außer, dass sie alles ganz genauso nicht machen wird wie sie es schon ewig nicht gemacht hat, und das ist uns dann die große Neuigkeit an diesem Abend.

Wo keine Bedeutung ist, wird die Bedeutung durch die Spektakularisierung der Bedeutungslosigkeit erzeugt.

Wie ein schöner Frühlingstag am Schafott

Das Unmenschliche ist im Allermeisten in der Nähe des Übermenschlichen angesiedelt, so ist es wohl, und wenn ich schon zerbrechen muss, dann will ich es daran. Ich will immer ein bisschen größer sein als ich und mir von oben auf den Scheitel schauen, ich will immer ein bisschen längere Beine haben als ich und mir im Gehen immer einen Schritt voraus sein und mich von hinten geradeaus gehend beim Wanken betrachten. Es ist ein Wunsch, ein großer, und er ist mehr an mich gerichtet als an irgendeine Fügung, es ist eine Hoffnung, die jeden Tag ein bisschen stirbt. Es ist wie Nudeln absieben mit bloßen Händen.

Drei Sätze gegen mich

Irgendwer ist sich nicht einig, vermutlich ich. Einig werd ich mir mehr in diesem Leben nicht. In mir bin ich immer in der Minderheit, ganz egal worum es geht.

Und er singt, sunderlandesk: This is a brand new problem, a problem without any clues. If you know the clues it’s easy to get through.

Dann doch lieber nass

Seit 13 Jahren hab ich die Reiterstiefel nicht mehr ausgezogen, nichts will ich weniger wissen als wie meine Füße ausschauen. Und doch, unverhohlen dringt aus mir dieses Lied, das ich dir singen muss, das ich dir singen muss. Nichts will ich weniger als meine Füße sehen und vernünftig sein, und weil mir alles zufällt was ich will, steh ich bis zu den Knien im Wasser und vernünftig war ich nie. Und ich sing dir dieses Lied und irgendwann singen wir dann vielleicht zusammen in 1000 Stimmen: Die Heiterkeit in unseren Leben ist das Fehlen einer Zukunft.

Knorpelschaden

Stell dir vor, du bist 28 Jahre alt und eine Tennisspielerin und alles bereitet dir solche Schmerzen, dass du denkst, du fällst auseinander. Stell dir vor, du hast davor Wimbledon gewonnen und das ist ganz okay für eine Tennisspielerin, viel mehr kannst du nicht schaffen als Tennisspielerin. Du hast also das erreicht, was du erreichen solltest, als deine Eltern dich vor langer Zeit zum Training zerrten. Du hast also das erreicht, was du erreichen wolltest, als du vor nicht ganz so langer Zeit bemerkt hast, dass du besser sein kannst als die Anderen.

Und dann hast du also alles dafür getan und es hat sich ausgezahlt für dich und du bist oben angekommen und jetzt bist du achtundzwanzig Jahre alt und dein verdammter Körper ist komplett hinüber und du bist immer noch achtundzwanzig und das wird noch ein mächtig schmerzhaftes Leben und viel Platz ist da nicht mehr nach unten.