Poscoleri

Die Konstrukte sind meine, der Künstler bin ich.

Bettgeschichten

Erstens: Ich liege in einem Bett, bäuchlings, meine Arme gen Bettende gestreckt, die Augen geschlossen. Plötzlich werde ich schwer, wiege mindestens zweihundert Kilo, jeder meiner Arme mindestens dreißig. Ich kann mich nicht mehr bewegen, ich würde mich gerne drehen und wenden, doch mein Gewicht übersteigt meine Kraft. Das Bett gibt meinem erhöhten Gewicht nicht nach. Zehn Minuten liege ich bewegungslos da, bis ich endlich mein Normalgewicht erreiche und mich erleichtert zu Seite wende.

Zweitens: Ich liege in einem Bett, bäuchlings, meine Arme gen Bettende gestreckt, die Augen geschlossen. Plötzlich wächst das Bett unter mir zu einer enormen Breite an. Ich könnte mich in jede Richtung recken und wenden, im Umkreis von zwanzig Metern ist nichts, keine Bettkante und keine Wand. Zehn Minuten liege ich bewegungslos da, bis ich endlich die Wand berühre und mich erleichtert zur Seite wende.

Drittens: Ich liege in einem Bett, bäuchlings, meine Arme gen Bettende gestreckt, die Augen geschlossen. Plötzlich verliere ich mein Raumgefühl und glaube auf dem Rücken zu liegen, mit den Beinen am Kopfende. Im nächsten Moment spüre ich den Plafond unter mir und hänge kurz darauf kopfüber von diesem, die Seitenwand an meinem Rücken. Ich mache einen Kopfstand auf der gegenüberliegenden Wand und einen im Bett. Zehn Minuten liege ich bewegungslos da, bis ich endlich wieder Tür und Fenster an den ursprünglichen Stellen verorte und mich erleichtert zur Seite wende.

Der Heimwerkermoment

Sein Klarstellungsbedürfnis war Quell endloser Selbstzerfleischungen, wie ein Mähdrescher fuhr er über seine uneindeutigen Satzwiesen. Keinen Gedanken, keinen Nachsatz, keine Richtigstellung konnte er in seinem Kopf unausgesprochen lassen.

Wenn er dann die vierte Erklärung einer Erklärung erklärt hatte und der Klarheit keinen Schritt näher war, fühlte er sich wie ein hemdsärmeliger Heimwerker, der Besuchern jede von ihnen in seinem kleinen, gepflegten Gärtchen noch so richtig erkannte Pflanze und jede Wolkenformation über ihren Köpfen noch einmal benennen oder zumindest durch die prompte Bestätigung ihrer Einschätzung seiner Weltgewandtheit Ausdruck verleihen musste. Ein Heimwerker, der stets für alle Tätigkeiten die exakte Apparatur oder das passende Gerät oder den nötigen Handgriff parat hatte. Ein Heimwerker, der jeglicher Interpretation den Spielraum nahm mit eiliger Einengung, als wäre auf diesem Wege Eindeutigkeit zu erringen. Ein Heimwerker, der keinen Zweifel zuließ durch die alles durchdringende Vernünftigkeit seiner Handlungen, dessen Hemd immer im richtigen Maß aufgestreckt war und dessen Hände immer auf die allerrichtigste Weise gewaschen wurden. Ein Heimwerker, der sich seine Präsenz mit Sätzen wie “Ja, das ist ein Haus.” oder “Hunde brauchen Auslauf.” bestätigte, weil er mit sich selbst und den anderen nichts anzufangen wusste. Ein Heimwerker, stets lösungsorientiert und unproblematisierend, nie vorhanden und doch immer da.

Nachdem er diesen Gedanken ausgesprochen, nein, herausgeschrien hatte, fühlte er sich gleich ein bisschen weniger heimwerkerisch und schlief beruhigt ein.

Stimmen im Kopf

Eine tiefe Stimme, emotionslos: “Eine Aufgabe für dich?”
Eine noch tiefere Stimme, sanft: “I can’t say why, my dear.”
Eine Frauenstimme, dringlich und schneidend: “Du warst den ganzen Tag verfolgt, weil, ich hatte niemanden.”

Ein Zusammenklappen

Ich liege auf meinem Bauch, den Kopf nach rechts blickend ins Kissen gedrückt. Plötzlich wird meine linke Schulter schwer und nach unten gezogen, die rechte bleibt unbewegt. Meine linke Seite dreht sich ab der Hüfte aufwärts um meine Wirbelsäule vor meinem Brustbein herum, wo sie schließlich auf die rechte trifft, um am Ende ganz mit ihr zu verschmelzen. Ich bin nun zwischen Hüfte und Genick halb so breit und doppelt so dicht.

Über das Pokern mit einem Lachs

Ich glaube, das größte Problem beim Pokern mit einem Lachs wäre der Auftrieb. Man müsste alles gut befestigen & beim Kauf der Pokerutensilien nach ihrer Dichte fragen. Wenn man das Befestigen nicht neben dem Lachs durchführen wollen würde, bräuchte man wohl ein zweites Aquarium oder eine Wanne. Man bräuchte wohl auch wen, der das Aquarium zudeckelt, um den sprunghaften Gefährten nicht in die verhängnisvolle Freiheit zu entlassen. Keinesfalls wollte man so ein Unternehmen in niedrigen Neubauten durchführen, wo man sich beim Betreten des Aquariums den Kopf anschlüge. Sollte der Lachs ein Seelachs sein, müsste man Salz in solchen Mengen kaufen, dass man im Supermarkt schief angeschaut werden würde. Ob das noch als “Haushaltsmenge” durchginge, müsste man wohl mit supermärktischen Fachkräften diskutieren, das weiß ich nicht. Aber so ist es nun mal bei derlei Wagnissen, bei denen man ohne bekannte Erfahrungswerte die Grenzen der menschlichen Erkenntnis verschiebt. Anderseits könnte man freilich auch nacheinander in mehrere Supermärkte gehen oder Salz von Steinen lecken und es dann von der Zunge schaben. Damit wäre die Peinlichkeit vermieden und niemand käme auf seltsame Gedanken, was ja gerade in ländlichen Regionen unangenehm werden kann. Vielleicht dächten ja solche Landbewohner, man plante was Satanistisches, wenn man beim LIDL 70 Kilo Salz kaufte. Dann erzählen die das der Tante Elma, die mal eine Hexe gesehen hat, und schon weiß es der Dorfpfarrer, was meistens ja das Ende ist. Aber das muss ich euch nicht erzählen, ihr kommt ja alle aus kleineren Orten, in denen gemütliche Abende mit Lachsen ungern gesehen sind.

Gute Planung ist alles, hat schon mein Firmpfarrer gesagt. Er bezog das auf den Raub unserer in den Autos liegenden Wertsachen, aber egal. Ein falscher Handgriff und ihr habt den Lachs auf dem Gewissen, das muss euch klar sein. Wie man das Fernweh des Lachses bekämpft, bleibt unklar. Vielleicht mit Naturfilmen oder einem Bären, der im Zirkus Vegetarier wurde. Wenn dann ein Bär mit einem Lachs Tatze in Flosse in einem Aquarium säße, könnte man fast Martin Luther King bemühen. *googelt ‘Sauerstoffmaske Bären’ & rechnet die Kosten noch einmal durch* Wenn ich’s mir aussuchen könnte, würde ich einen Bär nehmen der den Roundhouse-Kick beherrscht, aber der Vegetarismus geht da vor. So einen lebenden Lachs könnte man wohl auch einfacher besorgen, wenn ein Bär ihn abholt, ist ja viel unverdächtiger. Man müsste dem Bären einen dichten Rucksack voll Wasser umhängen und das Lachsverkaufspersonal anweisen, den Lachs darin zu deponieren. Der Bär an sich ist ja eigentlich recht ungeschickt, was das Transportieren lebender Lachse betrifft. Ein Zirkusbär freilich, und da wird’s tricky, könnte ja vielleicht sogar mit dem Lachswassertransportrucksack jonglieren. Davon muss man ihn unbedingt abhalten und ihn diesbezüglich mit allem nötigen Nachdruck instruieren. Vielleicht dreht man ein schockierendes Video von geplatzten Behältnissen auf Wiener Gehsteigen, die Bärenkrallen nachgegeben haben. Ihr wisst schon, wie diese Videos für rechtsbrüchige Autofahrer nach der wiederholten Verwarnung. Vielleicht lässt man sich dazu absichtlich den Führerschein abnehmen, um beim Betrachten solcher Videos Inspiration zu sammeln. Ich weiß nicht, zum Beispiel indem man laut vor einer Polizeistation hupt oder betrunken in einer Polizeistation vom Autofahren berichtet. Man will ja niemanden gefährden beim Führerscheinentzug, außer euch ist alles egal, dann könnt ihr das auch machen. Aber wenn ihr dann draufgeht, ist euer Projekt natürlich gelaufen. Für diesen Fall solltet ihr dem Bären ein Memo hinterlassen. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wolltet, solltet ihr eurer Tür auch eine Bärenklappe verpassen, was wohl in den meisten Fällen der vollständigen Entfernung der Tür entspricht. Dazu müsst ihr freilich in einer guten Nachbarschaft wohnen, in der man Zeitungen urlaubender Nachbarn entfernt und nicht gleich was stibitzt. Die beste Diebstahlsversicherung ist da ein grimmig dreinschauender Bär, der Gelegenheitsdieben das Gefühl vermittelt, beobachtet zu werden. Glücklicherweise habt ihr da schon einen Bären, wenn ihr bis hierher keinen Blödsinn gemacht habt. Wenn der Zirkusbär außer dem bereits bekannten Vegetarismus auch sonst moralisch verweichlicht ist, setzt ihn auf Winnie-Pooh-Entzug. So garantiert ihr, dass er richtig böse dreinschaut. Wenn der Bär jetzt also den Lachs wohlbehütet durch die Stadt transportiert hat (Öffi-Ticket mitgeben!) könnt ihr euch Ernsterem widmen. Der Lachs sollte sich leicht ins Aquarium befördern lassen, außer ihr habt fettige Hände, weil ihr aus Nervosität während des Wartens Chips gegessen habt. Deshalb Hände waschen nicht vergessen und rein damit. Nicht in den Lachs, wir wollen ja noch pokern.

Mit dem Bären wird es schon schwieriger, ihr bräuchtet eine Art von Rampe, einen Hebel oder ein Katapult, um ihn hereinzubekommen. Gut, dass wir das von Anfang an gut durchgedacht haben, jetzt rentieren sich die hohen Decken eurer Altbauwohnung. Falls ihr dazu eine Wohnung anmieten müsst, weil ihr gewöhnlicherweise in einem Neubau wohnt, erzählt dem Vermieter nichts davon. Wer weiß, was für Vorstellungen der sich sonst von euch macht. Sagt lieber, ihr wärt Frühpensionsten, die stets total leise dahinleben. Um das Aquarium schnell zu befüllen, hängt ihr im Haus Zettel auf, dass die Wasserleitung ein paar Tage abgedreht würde und zapft es ab. Die Zettel müssen glaubwürdig aussehen, aber nicht als ob sich jemand Mühe gegeben hätte, alles soll ja nach Installateuren klingen. In so einem Altbau ist ständig etwas mit den Leitungen, niemand wird Verdacht schöpfen, und wenn doch, sperrt ihr die in den Keller. Wenn es ein sehr altes Haus ist, hat es vielleicht einen dieser Keller, die sich als Weinkeller eignen, das wäre ideal. Dort hört die neugierigen Nachbarn niemand, in so einen Keller geht ja nur zu allen heiligen Zeiten jemand. Das solltet ihr natürlich nicht im Frühling machen, wo Fahrräder aus dem Keller geholt werden, oder im Winter, wo dasselbe mit Ski passiert.

Ihr habt den Bären jetzt also auf das Katapult gebracht und die Flugbahn berechnet. Wiegt den Bären mehrmals ab, auf einer Autowaage. Er wird natürlich eine ziemliche Arschbombe ins Aquarium setzen, weil Bären selten katapuliert werden, damit müsst ihr rechnen. Wobei Katapultierkenntnisse mit dem Vorbesitzer oder dem Bären selbst (Zeichensprache! Universal!) zu klären wären. Holt euch vielleicht Hilfe von einem Fußballer. Die Sprache des Fußballs ist ja universell, wie man oft zu hören bekommt. Er könnte ja andeuten, einen Ball in hohem Bogen zu schießen, wie eine Flanke, und dem Bär deuten, dass er selbst der Ball ist. Dazu müsste er das Bein angemessen nach hinten ausschwenken lassen, aber das fragt ihr besser den Fußballer oder die Fußballerin selbst. Dann muss dem Bär bedeutet werden, dass man ihm keinen Tritt verpasst. Schmückt hierzu eure Tierliebe mit Fotos von euch mit Tieren aus. Umarmungsbewegungen oder tatsächliche Umarmungen könnten dem Bären ebenfalls das nötige Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Dann rein mit dem Bären ins Aquarium, nachdem ihr ihm die Sauerstoffmaske aufgesetzt habt.

Wenn der Bär dann neben dem Lachs am Pokertisch im Aquarium sitzt, fehlt nur noch ihr. Eine Leiter wäre wohl hilfreich. Ihr könnt auch mit eurem Assistenten eine Räuberleiter machen, aber schneidet euch nicht am Glas. Wenn ihr drin seid, vergewissert Bär und Lachs davon, dass ihr ein unmanipuliertes, standardisiertes Deck Poker-Karten benutzt. Dann gilt es die Einsätze zu bestimmen. Nehmt hierbei auf die ökonomische Lage der beiden Rücksicht, niemand mag Protze. Wie man Karten mischt, muss ich euch hoffentlich nicht erklären, sonst war alles umsonst. Insgesamt wird es bestimmt ein denkwürdiger Abend, von dem ihr immer erzählen könnt, wenn eure langweiligen Freunde langweilig sind. Wenn ihr dem Bären eine Armbanduhr geschenkt habt (oder dem Lachs, googelt dazu “Uhren Flossen”) könnt ihr ihn nach der Uhrzeit fragen.

Gesang der Tyrannen

Wenn ich die Ohren schließe, hör ich mich rauschen. Aus der Ferne tönt das Leben sich entfernend mir links in den Kopf hinein. Rechts hör ich Menschen, die ich in der Vergangenheit kannte und dann auch dort ließ. Sie sprechen Sätze, die sie nie sprachen, wie in einem Theaterstück ohne Bühne und ohne Text. Zusammen ist es ein Klanggewitter, das mich schutzlos überrascht im freien Feld, jede Nacht. All das überschlägt sich dann und entwickelt eine Gewissheit, die nichts anderes sonst haben kann. Mit der Vehemenz der wahren Alternativlosigkeit flüstert es mir in tausend Stimmen und scheinbar ebenso vielen Sprachen durch die Ohren. Alles mag zum Teufel gehen, doch dann weiß ich genau: Morgen wird es gut.

Tausend Städte kannst du sehen, aber diese musst du riechen

Letztens hat es in dieser Stadt, die eigentlich immer stinkt und dazwischen einfach nur manchmal für lange Zeit nicht stinkt, ganz außerordentlich gestunken. Die Suche nach diesem Gestank hat mich nach draußen getrieben, weil man den Geruch nur lesen kann, wenn man die Menschen sehen kann und sie riechen. Man muss sehen, wie sie sich bewegen und ihre Nasenflügel vibrieren und ihre Haut sich unmerklich faltet unter dem Leben in der Stadt, das aus so viel mehr besteht als nur dieser ständigen Ahnung von Beton und Schweiß. Der Wind hat an diesem Tag alle Kraft aufgewendet, die Luft durch die Stadt zu treiben, aber den Gestank fortgekriegt hat er nicht. Unten, dort wo es erfahrungsgemäß immer am Allerklarsten stinkt, hab ich ihn schließlich dann gefunden. Der Gestank hat unerschrocken eine Geschichte von einer verbrannten Ente erzählt, die ausschließlich mit Bratfett und geplatzten Träumen gefüttert wurde. Es ist der perfekte Gestank gewesen für diese Stadt, die immer irgendwas verbrennen muss und sich eigentlich nur zum Essen erhebt. Wo die Enten Straßenbahn fahren und die Blumen täglich neu gepflanzt werden.

Draußen, in der Stadt, hab ich mich durch meine Nase gesehen.

Über die Möglichkeit eines Bären

Ein Bär wäre wohl die perfekte Sitzgelegenheit.

Ein großer, großer Bär! Kein Brillenbär oder solches, ein Grizzly. Man bekäme wohl Probleme mit der Möbelindustrie, der Tierschützerei und der Börse. Man müsste wohl also allerhand Lobbyarbeit betreiben und sogenannte wasserdichte Verträge abschließen, bevor man dies Unternehmen anginge. Man müsste wohl irgendeine steuerlich absetzbare Nutzung für einen solchen Bären finden, etwa Zirkusarbeit oder Treibjagden, oder ihn als Kindergärtner anstellen in einer “Bärengruppe”, die ebenso erst aufzubauen wäre wie besagter Kindergarten. Man müsste um allerlei Bewilligungen ansuchen für den Kindergarten und ein Projekt zur Verschleierung des Kinderverschwindens erfinden. Vielleicht Organhandel, denn das ist emotional beladen, und niemand wird etwas gegen die Rettung von Menschenleben einzuwenden haben. Oder medizinische Experimente, die nachhaltig sind und durch die Nutzung von Kindern auch keine Tiere quälen. Natürlich würden man die Kinder niemals wirklich für derlei Unmenschliches wie Organtransplantationen oder Experimente nutzen, sondern nur an den Grizzly verfüttern. Dadurch wäre erfreulicherweise auch immer genug Platz für neue Kinder, der Mangel an Kindergartenplätzen ist schließlich ein großes Problem unserer Zeit. Durch die hohe Fluktuation würden die Kinder auch sehr früh das Konzept der Vergänglichkeit kennenlernen, was sicherlich kein Schaden ist. Es wären sehr furchtlose Kinder, die auch den Wert von Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Bekanntschaften erfahren würden. Es wären Kinder, die wahrhaft “im Moment” leben würden, da ihr Kindergärtner ein furchterregender Bär wäre, der sie jederzeit fressen könnte. Da die Jugend ja auch immer fetter wird, wäre es wohl schließlich ein gutgenährter Bär, auf dem sich gut säße. Außerdem könnte man den Bären wohl nach einiger Zeit auf Bärengewichtscontesten antreten lassen und würde ohne Probleme zum Seriensieger. Die Bärengewichtsconteste müsste man wohl auch erst selbst organisieren, da die Bärenmast in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert wird. Hat man derlei Vorarbeit erledigt – Lobbyarbeit, Kindergartenaufbau, Organspendescheinkartell, Enttabuisierung der Bärenfettleibigkeit – , ist der Rest fast ein Kinderspiel. Sodann könnte man auf dem Bären sitzen wie es einem beliebt, außerhalb der Kindergartenöffnungszeiten. Vielleicht würde man von Besuchern, die Angst vor Bären haben, schief angeschaut, aber damit muss man wohl leben. Man muss ja auch nicht so viele Besucher im Eigenheim begrüßen, man hat ja dann, wie ich erwähnte, einen Bären. Man könnte lustige Trinkspiele veranstalten mit den wenigen Besuchern, bei denen man diesen “einen Bären aufbindet”. Das würde wohl darin resultieren, dass die dem Bären untergebundene Person gefressen würde, aber so ist das Leben. Bären sind nun mal Wildtiere, das darf man nicht vergessen, da ist kein Platz für Zimperlichkeiten. Deshalb sollte man nur ungeliebte Personen in das Trinkspiel einbinden, wie zum Beispiel zu “Freunden” mutierte Expartner. Man könnte auch Twitter-Personen einladen und fressen lassen, die man nicht gar so sehr mag. Das täte auch Twitter gut.

Es klingt wie der Weg zur Glückseligkeit. Ein Bär und eine Sitzgelegenheit. Wahrlich perfekt.

Auch würden wohl sogenannte “Kampfhundebesitzer” mit sogenannten “Kampfhunden” weniger gehsteigraubend spazieren im Angesicht des Bären. So ist ein Bär also schlicht eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit.

“Posco e l’orso” wäre auch ein peppiger Name für alle Bären-bezogenen Unternehmungen. Man müsste beim Management des französischen Elektro-Musikusses mit dem Namen “Mr. Oizo” anfragen, ob es Namensrechte gefährdet sähe. Allenfalls müsste man es gerichtlich durchfechten, aber ich würde da ohne Zweifel alle Instanzen anrufen. Zum Teufel, ich würde bis nach Den Haag gehen um mich gegen diesen Franzosen zur Wehr zu setzen! Versteht mich nicht falsch, ich schätze seine Musik, aber das ist lächerlich! Das klingt ja nicht mal sonderlich ähnlich!

Von der Möglichkeit, mit einem Grizzly problemlos in den Backstagebereich eines Tocotronic-Konzertes zu gelangen, wagt man gar nicht zu träumen. Nur soviel: Man kauft zwei Karten, eine für sich und eine für den Bären. Man nimmt die Plätze ein und lauscht dem Konzert. Später verlässt man nach der letzten Zugabe den Zuschauerraum und bittet Backstage um Einlass. Der Bär – das ist wichtig! – bleibt im sich leerenden Zuschauerraum. Dann erwähnt man beiläufig – wichtig! – die Präsenz des Bären. Das ist ein überaus guter Gesprächsstarter, normalerweise sind ja eher weniger Bären im Zuschauerraum anwesend, außer Holzfällerhemdtypen, die ich hier nicht meine. So kommt man ins Gespräch mit dem Backstagebewachungspersonal, mit dem man nun einiges trinkt. Hat man sie betrunken gemacht, versteckt man sich mit dem Bären im Skikoffer des Tocotronic-Busses und wirft die Ski weg. So gelangt man ohne Probleme zum nächsten Tourstopp der Tocotronic-Tour. Vorsorglich hat man Proviant eingepackt, denn der nächste Tourstopp liegt ja in der Schweiz, wie man messerscharf aus dem Vorhandensein des Skikoffers geschlossen hat. In der Schweiz angekommen macht man einen touristischen Rundgang durch die zweifelsfrei pitoreske Stadt. Dadurch fällt man kaum auf – Bären sind in der Schweiz durchaus nicht ungewöhnlich – und kehrt dann unverdächtigerweise zum Konzertort zurück. Dort hat sich bereits ein Streit zwischen Tocotronic und dem Organisationspersonal entsponnen, da die Ski der Band abhanden kamen. Man befeuert also die Streitigkeit, indem man als Passant kompromittierende Fakten über das Personal in die Runde wirft. ( Nazis! Die waren bei AMAZON! ) Als politische Band feuern Tocotronic das gesamte Tourpersonal. ( Alles Nazis! ) Nun besteht ein Mangel an fähigem Personal und Schweizer sind keine zu finden, da man in der Innenstadt das Gerücht einer Bombendrohung streute. Hier kommt man nun mit dem Bären ins Spiel. Man bietet sich unkompliziert an, auf Zeit- oder Werkvertragsbasis, aber nicht ehrenamtlich, dies würde Verdacht erwecken. Das Angebot wird angenommen, denn so ein Bär ist kräftig! Somit ist man Teil des Tocotronic-Tourpersonals und erhält jederzeit freien Zugang zur Band. Vielleicht stimmt man ihre Gitarren oder steht auch im Bühnenrandbereich und taucht so in gut beleuchteten Momenten in “YouTube”-Videos auf. Um die eigene Erkennbarkeit und damit den Internetfame sicherzustellen, verteilt man leistungsfähige Handkameras mit Stativ, da die Videos sonst furchtbar werden. Die Kameras sind mit GPS-Sendern zu versehen, um etwaige Diebe später durch die Schweiz zu jagen zu können und schlussendlich zu fressen.

Frühling

Ich besitze ein Badetuch mit dem Gesicht von Che Guevara. Es ist das Original-Badetuch, von dem das einigermaßen bekannte Foto von ihm abfotografiert wurde, auf dem er aussieht wie ich. Es ist sechs mal sechs Meter groß und das einzige Handtuch, mit dem ich mich abtrockne. Ansonsten trocke ich mich nur mit Geschirrtüchern, wichtiger Post oder der Kleidung anderer Menschen ab. Wenn ich mich in dieses Tuch hülle, fühle ich mich wie ein Superheld, auch an Tagen, an denen ich keiner bin oder Enten in der Nähe sind. Wenn ich das Tuch nicht bei mir habe, kann ich mich nicht abtrocknen und sterbe in der Folge meistens, was zum Glück noch nicht passiert ist, da ich es es immer um meinen linken Fuß gewickelt habe.
Anbei eine Liste von Dingen, die ich nicht mag.

Bäume
Straßen
Ampeln
Kreuzungen
Ungeregelte Kreuzungen
Autos
Enten
Sonne
Regen
Menschen
Menschengruppen, die irgendwohin gehen
Menschengruppen, die ziellos durch die Stadt wanken
Busse
Pleonasmen
Antibiotika
Plasma
Menschen, die in Pärken sitzen
Menschen, die auf Bänken sitzen
Menschen, die auf Banken sitzen
Gänse
Süße Dinge
Listen
Geschichten ohne Pointe
Unübersichtliche Stellen
Wasser
Superheldengeschichten
Boote
Boote, die wenden
Supermärkte
Alte Häuser
Hässliche Häuser
Kerzen
Fahrräder
Hunde
Flieder
Geschirrtücher
Menschen, die nicht wissen wann es genug ist
Menschen, die wissen wann es genug ist
Beistriche und Kommata
Assoziationen

Aber das ist alles egal. Es ist Frühling!

Der arme Egon

Egon wurde im Zuge der sogenannten Dotcom-Blase reich & stieg rechtzeitig vor dem Crash aus. Dann verlor er alles bei einen Fensterbruch. Heute schlägt sich Egon durch, indem er seine Mindestsicherung zum frühestmöglichen Zeitpunkt des Monats entgegennimmt und bei Arbeitslosen gegen Geld verkauft. Er bekommt dann üblicherweise 175 Euro, bezahlt dafür 200 Euro und beklagt den Wechselkurs. Der arme Egon. Egon leidet seit seiner Kindheit an seinem dümmlichen Namen, der ihn stets dümmlich erscheinen ließ. Glücklich wurde er nur in der Dotcom-Blase, als er sich im “Internet” das Pseudonym “Ego_N” gab, was allgemein als hipp und flashig durchging. Egon benutzte gerne Worte wie “hipp”, “flashig” oder “Internet”, um als hipp, flashig & Internet durchzugehen. Nun muss sich Egon als Minister europäischer Entwicklungsländer durchschlagen, etwa in Spanien, Frankreich oder Italien. Egon spricht fließend Französisch, Spanisch und Italienisch, allerdings nur mit Tigern, was die Arbeit natürlich zusätzlich erschwert. Es wurde extra ein Französisch, Spanisch & Italienisch sprechender Dolmetscher-Tiger dressiert, der allerdings Silvio Berlusconis Skalp fraß. Er wurde daraufhin eingeschläfert. Der Tiger lebt jetzt in Polen. Berlusconi wird jetzt von Adriano Celentano gespielt, der seine Sache recht gut macht. Egon war daraufhin in Italien ein Staatsheld, seine Stummheit wurde allerdings als beleidigend empfunden und er des Landes verwiesen. Ohne seinen Tiger war Egon ein halber Mensch, da der Tiger seine linke Körperhälfte gefressen hatte. In Castrop-Rauxel wurde ihm eine Hälfte des ersten Körpers von Michael Jackson anoperiert, was ihn entstellte, da es die falsche Hälfte war. Egon hat zwei rechte Füße, das ist wahr. Oft scherze ich darüber, und er weint. Egon ist “nahe am Wasser gebaut”, wie man das so sagt, er weint immer, da er ständig unerbittlich Zwiebeln schneidet. Er nennt es “Zwiebel-Look”. Er ist dann in der rechten Gesichtshälfte sehr unansehnlich. Der rechten von Michael Jackson, seiner linken, haben die Tränen nichts an. Diese unglücklichen Zufälle haben Egon nicht bitter gemacht, nur zynisch & depressiv. Wenn Egon allerdings einen guten Witz reißt, wird er zur Frohnatur. Er kennt nur schlechte Witze. Egon freut sich nur, wenn er glückliche Menschen sieht. Nicht aus Empathie, er ist ein Voyeur. Ich schicke Egon oft Brot holen. Er hat eine kindliche Freude daran, die er durch laute Beschwerden & leises Weinen zum Ausdruck bringt. Der arme Egon.

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