18. Januar 2012

Selbstkonstruktion

Wenn die menschliche Kultur uns endlich zur künstlichen Natur geworden ist, wieso sollte dann in mir irgendeine wie auch immer geartete Natur existieren, die meine Wege vorschreibt, mich begrenzt und limitiert? Wieso sollte nicht ich der Schöpfer meiner selbst sein können, wenn doch alles um mich herum geschaffen wurde und nicht entstanden ist? Ich verende an Grenzen, die ich als gesetzt betrachte und die doch nur mein Kopf erschuf. Der Gedanke der Konstruktion birgt auch Hoffnung.

Ich bin, was ich sein will. Es ist gut.

10. Januar 2012

Ikarus reloaded

Die Wahrheit ist 7. Ich hab direkt hineingeschaut und er mich retour an, finster und klar. Der schmale Grat, er hat mich nie beherbergt, hat mich abgestoßen und angezogen, eingesogen und ausgespuckt. Schaufensterpuppe im französischen Anzug, Tränen, nächster Akt. Die Diagnose traf mich hart, wie eine niederschlagende Erleichterung im unpassendsten Moment. Immer bedauern, nie bereuen. Wie eine grazile Straßenwalze unerträglich selbstzufrieden vorwärts schreitend lasse ich mich zurück. Alles meiner Macht enthoben, und ich bin stolz darauf. Das Morgen wird siegen, wider Willen.

10. Januar 2012

Moment, Ich

Ich bin Zwischenkaiser, in einem Moment zwischen mir und ihm bin ich was ich nicht sein kann. In einer Situation des Freien Marktes bin ich mein schlechtestes Ich, wie um mir zu beweisen, dass es auch anders ginge, besser, schlechter, dichter, fester. Dieser Nebel, der mich umgibt, birgt mich und versteckt mich vor all den grandiosen Orten. Die Richtungslosigkeit, der fehlende Halt, das ewige Suchen, sie sind mir Hölle und Paradies, sind mir Fluch, dem ich nicht entfliehe, sind mir Gabe, die mich ruiniert. Bei all dem Schmerz, der mich vorantreibt und zurückhält, bin es doch ich, der sich hier malträtiert.

8. September 2011

Intuition & Widerspruch

Ist der Intuition zu vertrauen? Ist das Gefühl, das mich durchdringt, der Gedanke, der mich stocken lässt, verfolgenswert? Und ist die Ahnung, das hier etwas nicht stimmt, ein Indikator für noch zu bestimmende Unstimmigkeiten? Ist der Text, den ich lese, der Mensch, den ich sprechen höre, tatsächlich in Widerspruch zu sich selbst oder schlicht für mich nicht nachvollziehbar?

( Misstrau nicht den Dingen, die du nicht verstehst. Sie können nichts dafür. )

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7. September 2011

Vorurteil & Widerspruch

Wenn Widerspruch nicht mehr erwünscht ist, wenn Diskurs nur noch die (Nicht-)Bestätigung der eigenen Position und nicht mehr die Vergrößerung des Un-/Wissens der Allgemeinheit bedeutet, dann lehnt man sich wohl besser zum Braten in den eigenen Saft zurück und begnügt sich damit, der durchschaubarste Kunde zu sein. Die Meinungen überlässt man lieber denen, die eine haben, die sie zur Diskussion stellen.

( Nichts ist interessanter als die Argumente einer Meinung, die nicht die deine ist )

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23. Juli 2011

Ich hatte wieder einen Traum

Ich hatte einen Traum, von strukturschwachen Regionen, in denen Enkelkinder nicht mehr zur Welt, sondern nur noch zu Besuch kommen. Wo das fortschreitende Alter des Dorfarztes Sorgen bereitet, weil man nicht weiß, ob danach ein anderer nachkommen wird. Wo Eisenbahnlinien eingestellt werden, weil Mobilität nicht als zur politischen Mündigkeit nötig betrachtet wird. Wo der Bäcker zusperrt, weil der Kapitalismus nur Angebot und Nachfrage kennt, aber keine Bedürfnisse. Wo die Straßen löchrig ächzen, weil hier eh nie irgendwer durchfährt, der woanders davon erzählen könnte. Wo eine Schule sich glücklich fühlen kann, mit einem starken Jahrgang eine eigene Klasse eröffnen zu können. Wo die vielen, vielen Menschen, die hier einmal lebten, nur noch unter der Erde liegen.

All das und noch viel mehr betrübt mich, und es ist ein urösterreichisches Problem, in einem Land, dessen Hauptstadt mit ihren absurden Ausmaßen jede Infrastruktur im ländlichen Bereich zu einer unwillkommenen Belastung geliebter Nulldefizitsphantisien erwachsen lässt. Und ich kann nicht verstehen, wieso es keine Pläne gibt und Ideen, und warum, falls es solche gibt, hier keine sichtbar sind. Wäre dieser Ort ein Teil einer Region, deren Hauptstadt alles hätte, was ein mündiger Bürger so braucht, würde sich die Legitimation dieser Investition von selbst erledigen. Gäbe es hier ein Kino, eine Bibliothek, ein kleines Theater, eine Schule, die nicht jährlich um ihren eigenen Erhalt bangen müsste, ein öffentliches Verkehrsnetz, das die Nutzung all dieser Institutionen erlauben würde; es wäre vielleicht nicht so schwierig wie derzeit, einen Arzt zu finden, der hier auch leben will, Familien, die hier eine Zukunft und nicht nur die Vergangenheit ihrer Eltern sehen, eine Bäckerei und andere Geschäfte zu eröffnen.

Ich weiß nicht warum hier alles wie es ist.

Ich weiß, dass es so ist weil es hier ist.

Das ist Österreich und das ist furchtbar. Es ist wie ein Habsburgerbegräbnis: Nichts geschieht & alle hoffen, dass die Vergangenheit zurückkehrt.

 

Und was wundert dich?

12. Juli 2011

Weg

Alles, was ich will, ist kein Zurück. Eine Straße, die hinter mir zusammenbricht, die nicht an mir klebt wie alles, was ich je betreten habe. Die nicht nach mir greift wie alles, was mich je berührte. Das Zurück ist vergiftet in seiner Illusion, mehr zu sein als eine romantische Erinnerung, die mir den Blick nach vorne verklärt. Die geschlossene Tür hat immer die Negation der Öffnung inbegriffen, die Tür muss weg.

15. Juni 2011

Sag niemals Ich

Der Autor sagt „Ich“.

„Ich“ sage „Er“.

Aber er bin ich genauso sehr und wenig, wie der Autor ich ist. Diese Zwickmühle raubt mir meine Handlungsfähigkeit, setzt mich schachmatt. Irgendwann wird sich mir eröffnen, wie ich aus dieser literarischen Problemstellung meiner Psyche entkommen werde, vielleicht werde ich ja einen Nutzen daraus ziehen können.

13. Juni 2011

Sterilität, fruchtbar.

Im Sterilen liegt die Kraft, ich lege keinen Wert auf Innenarchitektur. Im Sterilen liegt die Freiheit, denn es täuscht nichts vor, und es behauptet keinen Charakter der es belebenden Personen. Es ist formlos, leicht, fast gar nicht da, es ist unaufdringlich und kühl. Es ist uninteressiert und uninteressant, es lässt Raum für das wirklich wichtige. Leben in einer Industrieküche. Glatt, abwaschbar, nichts ist klarer und nirgends ist der Unterschied zwischen Ort und Raum besser zu erkennen.

13. Juni 2011

Peter Pan, nicht mehr ich

Zurück ins Vorbewusste, ins Naive, das als letzte, ewig fern-vergangene Hoffnung stetig bleibt, wenn die Aussicht trübe und die Erwartung erschüttert ist. Die kindliche Naivität, sie wäre der Alternativtraum, wenn die Allwissensphantasie sich schlussendlich doch als unerreichbar entpuppt. Allein, hinter die jeweilige Stufe der Erkenntnis kommen wir schwer bis nicht zurück, vergessen werden kann alles, doch nichts ungedacht. Und so mache ich mir vor, die Chance wäre noch nicht längst vergeben, selber Peter Pan zu werden, und träume mich in die Nacht hinein, zurück in glückliche Zeiten.

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